Ich schreib dann mal ein Drehbuch

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Meine ersten Filme und Videos habe ich ohne Drehbuch gemacht. Sozusagen Situationselastisch. Bei einem Hochzeits- oder Geburtstagsfilm ist das natürlich klar. Hier musste man das nehmen, was man bekam. Es waren aber auch andere Videos dabei, wo ich mir die Geschichte einfach ausgedacht und losgelegt habe. Am Ende kam dann was anderes raus, was es eigentlich am Anfang hätte sein sollen (zum Beispiel hier). Irgendwann musste ich also ein Drehbuch schreiben.

Forrest Gump, ich brauch dich.

Ich wollte die Eröffnungs-Szene von Forrest Gump nachstellen, wobei mein Neffe in die Rolle von Tom Hanks schlüpfen sollte. Genau dafür brauchte ich eben ein Drehbuch. Ich kenne mich ja. Andauernd habe ich Ideen und dann weiß beim Drehen niemand mehr, was er eigentlich zu tun hat. Es war sozusagen Selbstschutz.

Im Internet gibt es viel zu entdecken

Natürlich habe ich zuerst einmal Google gefragt. Der weiß auf alles eine Antwort, auch wie man Drehbücher schreibt. Und zuerst dachte ich mir „Gut, ist ja nicht so schwer“ und schrieb drauf los.

Zuerst einmal beschreibt man, wo die Szene spielen soll. Also drinnen oder draußen, Tag oder Nacht und so weiter. Natürlich gehört auch dazu, wie und wo die Darsteller sind. In meinem Fall musste mein Neffe auf einer Bank sitzen. Das würde er schon schaffen. Hoffte ich.

Beim Schreiben selbst fiel mir dann aber auf, dass ich noch etwas brauchte. Die Szenen waren beschrieben, der Text war vorgegeben. Aber woher sollte ich nachher beim Filmen wissen, welche Kameraeinstellung ich nehmen sollte und wie der Text gesprochen wird?

Geh mal ins Detail

Deshalb musste ich ins Detail gehen. War die Aufnahme eine Totale, Halbtotale und so weiter? Musste der Text gelassen oder genervt gesprochen werden? Genau diese Informationen mussten auch noch rein. Das hatte mir Google nicht gesagt. Ich war also schon einen Schritt weiter.

Drehen wir mal eine Runde

Was man aus zwei Dachlatten, etwas Draht und einem Stativ alles bauen kann. Unglaublich.

Mit dem fertigen Drehbuch ging es ans drehen. Moment, nicht ganz. Ich versuchte noch, mir einen eigenen Kamerakran zu bauen. Sechs Meter lang, auf einem alten Stativ montiert. Aus Dachlatten. Kleiner Tipp von mir: Vergesst es. Eine Kamera auf einem sechs Meter langen Hebel montiert braucht ungefähr drei Elefanten als Gegengewicht. Und die hatte ich nicht. Außerdem war die ganze Konstruktion extrem wackelig. Schlussendlich war es egal. Das Stativ knickte mit einem lauten „Knack“ ein. Vorbei der Traum vom Kamerakran. Jetzt wisst ihr, warum ich eine Drohne brauche…

Aber jetzt…

Filmen mit Fröschen ist schwierig. Die haben immer einen Drink in der Hand.

Das Wetter war perfekt. Zu perfekt. Im Drehbuch stand nämlich, dass es wolkig sein sollte. Naja, besser als Regen. Kamerakran hatte ich auch keinen. Stand auch im Drehbuch. Egal, Hauptsache alle waren gekommen. Das war nämlich am schwierigsten. Alle an einem Ort zum selben Zeitpunkt.

Mein Neffe schaffte es sogar, auf der Bank zu sitzen. Nicht so leicht für einen Teenager. Mein zweiter Neffe hatte ein Superman-Kostüm an, meine Tochter und meine Nichte waren auch da.

Zuerst einmal turnte ich auf der Straße herum. Später sollte hier die animierte Feder reinkommen. Für Außenstehende hat das wahrscheinlich so ausgesehen als würde ich versuchen, eine Hummel im Flug zu filmen. Danach mussten meine Nichte und mein Neffe einen Dialog führen. Das war nicht einmal so schlecht, wenn man berücksichtigt, dass sie das noch nie gemacht haben. Auch nicht im richtigen Leben.

Schwieriger wurde es schon mit den Kleinen. Meine Tochter war damals fünf, die tat meistens das, was ich sagte. Bei meinem kleineren Neffen brauchten wir immer wieder Tricks, wie wir die Aufnahmen in den Kasten bekamen. Gummibärchen zum Beispiel.

Nach dem Dreh ist vor dem Dreh

Nachdem wir fertig waren, habe ich mir zu Hause die Aufnahmen angesehen. Sie waren grottenschlecht. Nicht, weil sich niemand an das Drehbuch gehalten hatte. Das passte ungefähr. Die Kamera war dafür einfach nicht geeignet. Das war eine kleine Sony Handycam, die ich vor Jahren einmal gekauft hatte. Sie konnte zwar Full HD, aber ansonsten ist sie für nichts zu gebrauchen. Außerdem war sie falsch eingestellt. Am liebsten hätte ich die ganze Szene noch einmal gedreht, konnte ich aber nicht. Also musste ich mit dem Arbeiten, was ich hatte. Verdammt.

Federn lassen

Die Feder, die ich eigentlich animieren wollte, lies sich nicht animieren. Zu komplex. Also versuchte ich folgendes: Vor dem Greenscreen hänge ich die Feder an eine Stehleiter. Mit einem Haarfön lies ich die Feder tanzen. Wenn man so etwas macht, musst man zwei Dinge beachten: Der Haarfön sollte nicht zu nahe an der Feder sein und die Feder muss an einer langen Schnur hängen. Sonst macht sie Breakdance.

Diese Aufnahme brachte ich dann in den Film. Sah gar nicht mal so schlecht aus. Natürlich nicht wie das Original, aber zufriedenstellend.

Was lernen wir daraus?

Heute würde ich die Szene anders drehen. Die Bank würde im Schatten stehen, die Kamera wäre definitiv eine andere, das Mikro ebenfalls und statt einem Kran würde ich eine Drohne nehmen.

Ein Drehbuch ist wichtig. Besonders bei komplexen Szenen. Man darf es aber nicht als feste Vorgabe sehen, sondern darf damit flexibel umgehen. Wichtig: Notiere, was du geändert hast. Zwischen Dreh und Schnitt vergehen oft Tage oder Wochen. Da weiß man dann nicht mehr, was man eigentlich machen wollte. Ich zumindest.

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  1. Dagmar Mika - 6. Januar 2018 Antworten

    Es war sehr lustig diesen Film zu machen

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