Spiegelreflex (DSLR) oder Spiegellos (DSLM)?

Warum eine DSLR zum Filmen durchaus noch Sinn macht

Vor ein paar Jahren habe ich erklärt, warum eine DSLR die bessere Videokamera ist. Damals habe ich meine „normale“ Videokamera gegen meine Spiegelreflex – eine so genannte DSLR (Digital Single Lens Reflex) – getauscht. Weil meine Canon EOS 100D auch Videos aufnehmen konnte. Mit Wechselobjektiv. Das war 2018. In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Die Canon istein Jahr später einer Panasonic gewichen, statt DSLR ist es jetzt DSLM. Digital Single Lens Mirror-less. Also ohne Spiegel. Aber ist eine DSLR heute auch noch eine gute Kamera? Durchaus. Wenn man ein paar Dinge beachtet.

Bringe deine Aufnahmen aufs nächste Level

Bisher hast du deine Aufnahmen mit deinem Smartphone gemacht. Weil wir hier ja immer erzählen, dass das auch gute Aufnahmen macht. Inzwischen stößt du aber immer wieder an deine Grenzen. Du hast keinen optischen Zoom, kannst Blende und Verschlusszeit nicht wirklich einstellen oder brauchst eine bessere Aufnahmequalität. Kurz gesagt: Du willst aufs nächste Level und brauchst eine neue Kamera. Du musst aber nicht gleich eine neue spiegellose Systemkamera (DSLM) kaufen. Vielleicht ist eine gebrauchte Spiegelreflex eine Alternative.

Der Unterschied zwischen Spiegelreflex und Spiegellos

Canon EOS 5D Mark IV (Spiegelreflex)
Eine Canon EOS 5D Mark IV mit heruntergeklappten Spiegel (© Canon Europa N.V.)

Die Spiegelreflex war jahrelang der Inbegriff für professionelle Fotografen. Mit dem Umstieg von Analog- auf Digitalfotografie konnten sie dann auch Videos aufnehmen. Seit einigen Jahren wird die „klassische“ DSLR aber von spiegellosen Systemkameras verdrängt. Äußerlich schauen die zwar ähnlich aus, im Inneren unterscheiden sie sich aber grundsätzlich.

Bei der Spiegelreflex (DSLR) sitzt im Inneren ein mechanischer Spiegel. Der ist dazu da, das Bild vom Objektiv in den optischen Sucher umzuleiten. Hinter diesem Spiegel sitzt der Sensor. Solange der Spiegel zugeklappt ist, trifft kein Licht auf den Sensor. Wenn man ein Foto aufnimmt, klappt der Spiegel reflexartig nach oben, der Sensor empfängt das Licht durch das Objektiv und macht daraus ein Bild. Dann klappt der Spiegel wieder herunter. Das Ganze dauert nur einen Bruchteil einer Sekunde.

Beim Aufnehmen eines Videos klappt der Spiegel ebenfalls nach oben, bleibt dann aber dort. Solange der Spiegel oben ist, nimmt der Sensor das Video auf. Stoppst du die Aufnahme, klappt der Spiegel wieder runter. Deshalb kannst du auch den optischen Sucher während der Aufnahme nicht verwenden. Weil der Spiegel ja nach oben geklappt ist.

Bei der Systemkamera oder DSLM gibt es keinen Spiegel mehr. Das Licht fällt direkt auf den Sensor. Der Sucher selbst ist deshalb auch nicht mehr optisch, sondern eine digitale Live-Vorschau. Da steck also ein kleines Display drinnen, das dir anzeigt, was der Sensor gerade sieht. Es ist also weniger mechanisches Zeugs drinnen, dafür aber mehr Elektronik.

Ist die Spiegelreflex (DSLR) überhaupt noch relevant?

Bei den großen Kamera-Herstellern wie Canon und Nikon findest du nur noch eine Handvoll Spiegelreflex-Kameras im Angebot. Bei Canon sind es vier, bei Nikon fünf. Dagegen gibt’s bei Canon fünfzehn verschiedene spiegellose Systemkameras, bei Nikon sinds dreizehn. Das ist der Stand Jänner 2026. Und monatlich kommen neue spiegellose Modelle dazu. Da zeichnet sich offensichtlich ein Trend ab.

Die Spiegelreflex-Kamera kommt eigentlich aus der Fotografie. Das Prinzip selbst gibt’s schon seit 1861, aber so richtig durchgesetzt haben sie sich ab den 70er Jahren. Damals waren das noch Kameras, die Fotos auf einem Analogfilm aufgenommen haben. Mit der Digitalisierung Anfang der 2000er wurde der Film durch einen Sensor ersetzt, seitdem sind sie eben Digitale Spiegelreflex-Kameras. Aus SLR wurde DSLR. Aber noch immer optimiert für Fotografie. Filmen können sie nur deswegen, weil es dem Sensor egal ist, ob er ein Foto oder ein Video aufnimmt.

Deswegen sind DSLR’s fürs Filmen aber auch nur bedingt geeignet. Sie sind größer und schwerer als ihre spiegellosen Schwestern, der Autofokus neigt zum „Pumpen“ und im optischen Sucher hast du kein „What you see is what you get“. Da hast du nichts. Das siehst du nur am Display auf der Rückseite der Kamera.

DSLM – Die Spiegellose Revolution

Panasonic Lumix GH6
Eine spiegellose Panasonic Lumix GH6. Vor dem Sensor sitzt kein Spiegel mehr. (© Panasonic)

Die ersten Systemkameras ohne Spiegel – also die DSLM’s – gibt’s seit 2008. Damals haben Panasonic und Olympus den „Micro Four Thirds“-Standard (kurz MFT) vorgestellt. Das Ziel war genau das, was eine DSLM heute ausmacht: Die Kameras sollten kleiner und leichter werden, indem man auf unnötige Dinge, wie zum Beispiel den Spiegel, verzichtet. Das Ergebnis war die Panasonic Lumix G1. Andere Hersteller sprangen auf den Zug auf und entwickelten mit der Zeit ebenfalls spiegellose Systemkameras.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Die spiegellosen Kameras sind kleiner und leichter, weil ja weniger Mechanik verbaut wird. Die Fotoqualität ist mindestens genauso gut wie bei den DSLR’s. Beim Aufnehmen von Videos hat die DSLM aber entscheidende Vorteile. Der Autofokus funktioniert zuverlässiger als bei der DSLR und du hast sowohl am Display als auch im Sucher eine Live-Vorschau. Inzwischen haben spiegellose Systemkameras die DSLR’s im Video-Bereich fast vollständig verdrängt. Und punkten zusätzlich mit intelligenten Video-Features wie zum Beispiel Zebra, Fokus-Peaking (Anzeige der scharfen Bereiche) und 10-Bit Aufnahmen.

Der einzige Grund, heute noch eine Spiegelreflex zu kaufen

Obwohl eine spiegellose Systemkamera technisch überlegen ist, gibt es noch immer ein schlagkräftiges Argument für die klassische Spiegelreflex: Der Preis auf dem Gebrauchtmarkt.

Immer mehr Profis stellen ihr Equipment von DSLR auf DSLM um. Also von Spiegelreflex auf Spiegellos. Deshalb ist der Gebrauchtmarkt mit High-End DSLR’s überflutet. Eine gebrauchte Canon 5D Mark IV oder Nikon D850, zwei absolute High-End Geräte, liefern auch heute noch professionelle Bilder. Beide kosten gebraucht nur halb so viel wie eine vergleichbare spiegellose Systemkamera. Wenn du also maximale Bildqualität möchtest, aber weniger Geld ausgeben willst, dann ist eine gebrauchte Spiegelreflex ein genialer Einstieg. Solange du mit den Nachteilen – mehr Gewicht, träger Autofokus und kein Live-Bild im Sucher – leben kannst.

Und was ist mit dem Smartphone?

Bevor du jetzt aber losläufst und einige hundert Euro investierst, solltest du noch einen kurzen Reality-Check machen: Das Smartphone, mit dem du bisher gefilmt hast, übernimmt noch immer die „Fast-Content“ Aufgaben. Aufnehmen, Schneiden und auf TikTok, Instagram und Co veröffentlichen. Das kannst du mit einer Spiegelreflex oder Spiegellosen Systemkamera nicht. Und du hast es immer mit dabei.

Aber sobald du echte optische Tiefe, eine natürliche Farbwiedergabe und die Kontrolle über kleinste Details willst, zieht selbst die Spiegelreflex am Smartphone vorbei. Das Handy ist für den Moment, die Kamera ist für das Werk.

Welches System gewinnt?

Ganz klar: Die Zukunft ist spiegellos. Wenn du heute neu in die Welt der Video-Creator einsteigst, solltest du dein Geld in ein spiegelloses System investieren. Die Objektive sind moderner, der Autofokus ist verlässlicher und der Wiederverkaufswert ist stabil. Günstige Einsteiger in die DSLM-Welt sind zum Beispiel die Panasonic Lumix G70M oder die Canon EOS R100. Hier musst du zwar Abstriche gegenüber den „großen“ Modellen machen, besser als dein Smartphone nehmen sie aber trotzdem auf.

Willst du Profi-Bildqualität und eine hohe Auflösung fürs gleiche Geld, schau dich am DSLR-Gebrauchtmarkt um. Da hast du momentan eine sehr gute Auswahl an Profi-Spiegelreflex, die noch immer mehr können als jede Einsteiger-DSLM.

Und wenn du hauptsächlich Content für Social Media produzierst, dann bleib beim Smartphone. Investiere lieber in Zubehör. Wie zum Beispiel einem Gimbal, ein Mikrofon oder Beleuchtung.

Wie sieht dein Kamera-Setup aktuell aus? Klebt dein Auge noch am optischen Sucher oder bist du schon komplett digital unterwegs? Schreib es einfach in die Kommentare.

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