Warum dein Video scheitert, bevor es angefangen hat
Jetzt hast du Stunden damit verbracht, dein Skript zu schreiben, das Licht perfekt ausgerichtet und im Editing jede einzelne Frame-Lücke geschlossen. Und trotzdem springen beim fertigen Video 70% deiner Zuschauer in den ersten 3 Sekunden ab.
Das ist frustrierend. Aber heute leider harte Realität. Weil dank Insta-Reels und TikTok die Aufmerksamkeitsspanne beim Menschen inzwischen kürzer ist als die eines Goldfisches. Drei Sekunden. Wenn du also deine Zuschauer nicht in den ersten drei Sekunden an den Haken kriegst, dann ist der Rest deines Videos völlig wertlos. Egal, wie brillant es ist.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie du den Haken so setzt, dass deine Zuschauer gar nicht anders können, als dranzubleiben.
Das klassische Intro ist tot

Viele Content-Creator lieben es, ihr animiertes Logo für drei Sekunden mit epischer Musik einzublenden. Ja, ich mache das auch immer wieder. Aber eigentlich interessiert das niemanden. Ganz im Gegenteil – die Zuschauer stellen sich wahrscheinlich die Frage „Was habe ich davon, wenn ich hierbleibe?“.
Genau diese drei Sekunden im Video sind entscheidend. Hier kriegst du deine Zuschauer an den Haken. Deshalb sollte dein Video mit einem so genannten „Hook“ starten. Die Logo-Animation kannst du auch später noch bringen. Oder ganz weglassen.
Die visuelle Hook
Im Grunde sind wir alle noch Steinzeitmenschen. Denn unser Gehirn ist noch immer darauf programmiert, Bewegung wahrzunehmen. So wie früher, als wir noch Mammuts gejagt haben. Die gibt’s zwar nicht mehr, wir reagieren trotzdem noch immer darauf. Also auf Bewegung, nicht auf Mammuts. Weils die ja nicht mehr gibt.
Wenn du jetzt dein Video mit einer Aufnahme von dir startest, wo du einfach nur vor der Kamera sitzt und nach einer Sekunde „Hallo“ sagst, kommt bei deinen Zuschauern eines an: Langweilig. Hier passiert nichts Neues. Und sie sind weg.
Hier gibt’s aber mehrere Möglichkeiten, wie du deine Zuschauer an das Video binden kannst. Grundsätzlich musst du das klassische Muster durchbrechen. Das kannst du mit verschiedenen Tricks erreichen.
- Die B-Roll-Attacke: Starte dein Video nicht mit deinem Gesicht, sondern mit dem spannendsten Erlebnis deines Tutorials. Wenn du zum Beispiel zeigst, wie man ein IKEA-Regal baut, zeig als erstes das fertige Regal. Oder eine Szene, in der irgendwas schief geht. Das bindet die Zuschauer, weil sie sehen wollen, wie du dorthin kommst.
- Text-Overlays: Blende große, fette Schlagworte ein, die das Gesagte unterstützen. Das verstärkt die Botschaft doppelt.
- Der Jump-Cut-Zoom: Starte nicht in der Totalen. Fang mit einer Nahaufnahme an, sag einen Satz, spring danach in die Totale und sag den nächsten Satz. Diese kleinen Skalierungsänderungen (z. B. von 100 % auf 1115 %) halten das Auge wach.
Pro-Tipp

In Adobe Premiere Pro musst du für den Jump-Cut Zoom nicht mühsam skalieren. Schneide den Clip einfach an der passenden Stelle und setze die Skalierung im Effekte-Bedienfeld auf 115%. Achte darauf, dass die Augen deiner Person in der Aufnahme auf derselben Höhe bleiben, damit der Jump-Cut nicht unruhig wirkt
Die auditive Hook
Neben dem visuellen Hook, wo du die Aufmerksamkeit durch Bewegung erreichst, gibt’s auch noch den auditiven Hook. Hier kriegst du die Aufmerksamkeit durch das, was du sagst. Aber statt „Hallo, ich bin XY und heute zeige ich euch, wie man ein IKEA-Regal zusammenbaut“ solltest du bei der Einleitung dorthin gehen, wo es wehtut. Zum Beispiel mit „Verzweifelst du auch immer beim IKEA-Regal? Ich zeig dir, wie du das in zehn Minuten stabil zusammenbaust“.
Damit erreichst du zwei Dinge: Du hast schon am Anfang verraten, was das Ziel deines Videos ist, und du hast einen zeitlichen Rahmen gesetzt. Als Zuschauer weiß ich jetzt, dass du mir zeigst, wie ich ein IKEA-Regal zusammenbaue. Und das Ganze in zehn Minuten. Das macht die Zuschauer neugierig. Jetzt hast du sie am Haken.
Für den auditiven Hook am Anfang deines Videos gibt es zwei verschiedene Arten, die gut funktionieren. Der „Gap-Effekt“, also die Wissenslücke und der „High-Stakes-Einstieg“, der das Scheitern zeigt.
- Beim Gap-Effekt zeigst du etwas, das unlogisch erscheint. Zum Beispiel „Jetzt habe ich mein 200-Euro Mikrofon gegen dieses 10-Euro Teil von Amazon getauscht und nutze nur mehr das“. Der Zuschauer bleibt dran, weil er wissen will, warum.
- Der High-Stakes-Einstieg geht in die andere Richtung. Der Zuschauer sieht dich, wie du mit deinem 200-Euro Mikrofon kämpfst und stattdessen das 10-Euro Teil von Amazon nimmst. Also zum Beispiel „Dieses blöde Mikrofon war sauteuer und ist Schrott. Da nehme ich doch lieber das 10-Euro Teil von Amazon“. Jetzt will ich als Zuschauer wissen, warum ein 10-Euro Mikrofon besser ist als das Teurere.
Der Teaser-Hook
Statt einem visuellen oder einem auditiven Hook kannst du auch einen so genannten „Teaser-Hook“ verwenden. Da zeigst du bereits am Anfang einen besonders witzigen oder spannenden Ausschnitt deines Videos.
Wenn du dein Video fertig geschnitten hast, schau es dir noch einmal komplett an. Such dir die spannendsten 5 Sekunden aus der Mitte des Videos – einen witzigen Versprecher, ein krasses Vorher-Nachher-Ergebnis oder ein besonders wichtiges Fazit. Diesen Teil kopierst du und setzt ihn ganz am Anfang deines Videos. Noch vor deine eigentliche Begrüßung. Der Teaser Hook gibt also einen Vorgeschmack auf das, was kommt und erhöht die Watchtime massiv.
So hältst du die Zuschauer bei Laune

Mit dem Hook hast du deine Zuschauer jetzt mal dazu gebracht, mehr als drei Sekunden deines Videos zu schauen. Aber du musst sie natürlich auch bei Laune halten. Denn sobald es langweilig wird, springen sie ab.
Achte beim Schnitt deshalb darauf, dass ständig etwas passiert. Selbst eine halbe Sekunde Stille oder keine Bewegung ist schon zu viel. Durch Kürzen der einzelnen Clips kriegst du diese „stillen“ Momente einfach weg.
Du kannst auch den Jump-Cut-Zoom, den wir schon beim visuellen Hook verwendet haben, im Video selbst auch verwenden. Wenn du zum Beispiel eine Aufnahme drinnen hast, wo du etwas länger zum Publikum sprichst, dann kannst du gezielt Jump-Cut Zooms einbauen. Aber natürlich im Einklang mit dem Gesprochenen. Du sagst einen Satz, dann Jump-Cut Zoom von 100% auf 115%, dann nächster Satz und so weiter.
Auch beim Sound-Design kannst du die Zuschauer bei Laune halten. Ein subtiler „Swoosh“ bei einer Texteinblendung oder ein leises „Plopp“ bei einem Icon-Insert signalisiert Hochwertigkeit. Das lockert dein Video etwas auf und signalisiert Hochwertigkeit.
Zusammengefasst
Die ersten drei Sekunden deines Videos sind entscheidend dafür, ob die Zuschauer dranbleiben oder nicht. Mit einem sichtbaren Hook wie dem Jump-Cut Zoom, einem auditiven Hook oder einem Teaser machst du die Zuschauer neugierig. Und mit ein paar Kleinigkeiten, wie einem sauberen Schnitt, Abwechslung bei langen Szenen oder ein bisschen Sound-Design hältst du sie bei Laune.
Wenn du auf genau diese Dinge achtest, werden deine Zuschauer länger dranbleiben als nur drei Sekunden. Weil wir ja alle Goldfische sind. Und Steinzeitmenschen.
Welche Erfahrungen hast du gemacht? Gibt’s noch andere Möglichkeiten, wie du deine Zuschauer an den Haken kriegst? Schreibs doch in die Kommentare. Damit es andere auch erfahren.

Ich bin Edgar, der Kopf hinter Wieselfilm. Ich mache seit mehr als zwanzig Jahren Videos und teile gerne. Zum Beispiel, wie du mit Low-Budget das Meiste rausholen kannst, welche Tricks es in der Nachbearbeitung gibt, wie deine Videos besser werden und noch viel mehr. Mehr über mich gibts hier.






