Ich hatte schon viele Video-Ideen. Themen, die ich unbedingt bringen wollte. Zum Beispiel Erklärvideos. Die Idee hatte ich schon vor Jahren. Umgesetzt habe ich die aber nie. Warum? Weil ich kein eigenes Video-Studio hatte. Und das Equipment, das ich hatte, offenbar nicht gut genug war. Weil die Profis ja viel besseres Equipment haben. Bessere Lampen, bessere Kameras und bessere Mikros.
Aber eines kann ich dir sagen: Stoppe genau dort.
Der größte Fehler, den du als Video-Creator machen kannst, ist das Warten auf das perfekte Equipment. Das wird nie da sein. Weil es immer wieder was Besseres gibt. Wir lassen uns da von Technik-Specs lähmen, während andere bereits ihre ersten zehn Videos veröffentlicht haben. Die wichtigste Lektion, die du auf wieselfilm.net lernen kannst, lautet: Beständigkeit ist unendlich viel wichtiger als dein Equipment.
Ein Video, das du heute mit deinem Smartphone aufnimmst und veröffentlichst, ist wertvoller als das Meisterwerk, das niemals gedreht wird, weil die 2.000-Euro-Kamera noch nicht auf deinem Schreibtisch steht. Dein Publikum abonniert dich wegen deiner Inhalte, deiner Persönlichkeit und deines Mehrwerts – nicht wegen der Bitrate deiner Videodatei.
In diesem Artikel schauen wir uns gemeinsam an, wie du ein Studio mit wenig Budget bauen kannst, aber trotzdem professionelle Videos aufnehmen kannst. Damit du keine Ausreden mehr hast, sondern endlich auf „Aufnahme“ drückst – und das Woche für Woche.
Der Raum
Für dein eigenes Studio musst du kein eigenes Zimmer anbauen oder eine Location mieten. Denn in der Regel hast du in deiner Wohnung, in deinem Haus oder in deinem Büro eine Stelle, die bestens dafür geeignet ist. Sie muss nur ein paar Kriterien erfüllen, damit du dort auch professionelle Videos produzieren kannst.
Du solltest so viel Platz haben, dass du dich 1,5 bis 2 Meter vor deinem Hintergrund platzieren kannst. Das schafft Tiefe, die das Bild sofort hochwertiger wirken lässt. Und wenn du dich ein wenig mit Tiefenschärfe auseinandersetzt, kannst du den Hintergrund auch unscharf machen.
Ein weiterer Vorteil, wenn du dich nicht direkt vor die Wand stellst, ist die Akustik. Je weiter weg du von geraden Flächen stehst, desto weniger hallt es. Den Nachhall kannst du noch weiter reduzieren, wenn du Möbel und Vorhänge im Raum hast. Die schlucken den Schall. Und wenns noch immer hallt, hilft ein Teppich am Boden.
Für die Kamera solltest du auch noch Platz einrechnen. Das sind, je nach Kamera, auch noch einmal 1,5 bis 2 Meter. Die kannst du aber auf einem Schreibtisch genauso platzieren wie in einem Regal an der gegenüberliegenden Wand.
Der Hintergrund selbst erzählt eine Geschichte. Ein Regal mit ein paar Büchern, eine schöne Pflanze oder eine dezente Lampe reichen völlig aus. Dabei ist hier weniger oft mehr. Vermeide Chaos im Hintergrund, das vom eigentlichen Star des Videos ablenkt.
Den Raum selbst solltest du abdunkeln können. Da reichen schon ein paar Vorhänge. Denn natürliches Licht von draußen verändert sich ständig. Sobald eine Wolke vorbeizieht, wird es drinnen merklich dunkler. Was dir egal sein kann, wenn du deine Vorhänge zuziehst oder die Jalousien runterlässt.

So schaut mein Raum aus
Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich ein eigenes Büro habe. Der Raum ist ungefähr 4×4 Meter groß, hat also ausreichend Platz, dass ich mich 2 Meter vor dem Hintergrund aufstelle. Bei der Ausstattung habe ich besonders darauf geachtet, dass ich Schallschluckende Elemente verwende. Zum Beispiel ein Bild, das an der Wand hängt, einen Teppich, dicke Vorhänge und zwei Schallabsorber, die ich selbst gebaut habe. Damit habe ich den Nachhall reduziert, ohne dass der Raum nach Studio aussieht.
Checkliste für deinen Raum:
- Ausreichend Platz, damit du dich 1,5-2 Meter vor dem Hintergrund platzieren kannst und noch einmal 1,5-2 Meter für die Kamera hast
- Pflanzen, Bücherregale oder Lampen lockern den Hintergrund auf
- Möbel, Vorhänge und Teppiche reduzieren den Nachhall merklich
- Den Raum solltest du abdunkeln können
Die Kamera

Bevor du jetzt Stunden damit verbringst, dir Testberichte und YouTube-Videos von 2.000 Euro Kameras anzusehen, solltest du mal in deine Hosentasche schauen. Denn da hast du wahrscheinlich ein Smartphone drinnen. Und das ist für den Start absolut ausreichend.
Wenn dein Smartphone halbwegs aktuell ist, kannst du damit sogar 4K-Videos aufnehmen. Wenn du die richtige Kamera benutzt. Es ist zwar verlockend, sich selbst auf dem Display zu sehen, die Frontkamera hat aber eine geringere Auflösung als die Rückkamera. Die hat auch noch eine bessere Linse. Also: Rückkamera verwenden.
Ein wackeliges Handy-Video wirkt sofort wie ein Urlaubsfilm. Genau deshalb solltest du ein Stativ benutzen. Wenn du schon eines irgendwo hast, brauchst du wahrscheinlich noch eine Smartphone-Halterung dafür. Die gibt’s bei Amazon schon um ein paar Euros, so wie das Manfrotto MCLAMP (Partnerlink). Wenn du kein Stativ herumliegen hast, kannst du auch ein komplettes Handy-Stativ kaufen. Die sind meistens mit einem Selfie-Stick kombiniert und kosten weniger als zwanzig Euro. So wie das RISEOFLE 180 cm Handy-Stativ (Partnerlink).
Beim Aufnehmen mit dem Smartphone solltest du den Fokus auf das Gesicht des Sprechers fixieren, damit die Kamera nicht während der Aufnahme ständig neu fokussiert. Das geht ganz einfach, indem du in deiner Kamera-App lange auf das Gesicht drückst. Außerdem solltest du noch die automatische Belichtung abschalten und das Smartphone in den Flugmodus versetzen. Damit dich während der Aufnahme niemand anrufen kann.

Diese Kamera verwende ich
Zum Aufnehmen von Videos habe ich früher einfach mein Smartphone genommen. Nachdem mir aber die Handy-Halterung fürs Stativ gebrochen ist und ich ein paar Kameras herumliegen habe, nehme ich für Sprecher-Aufnahmen die Panasonic Lumix GH5 mit einem Meike 16mm Festbrennweiten-Objektiv (Partnerlink). Wobei das etwas übertrieben ist. Weil eine Smartphone-Halterung viel günstiger wäre…
Checkliste für deine Kamera:
- Nutze die Rückkamera deines Smartphones
- Linse reinigen
- Stelle es auf ein Stativ, auf Augenhöhe
- Fixiere den Fokus auf den Sprecher
- Flugmodus an
Der Ton
Die Wahrheit ist, dass Menschen Videos mit einem schlechten Bild, aber einem guten Ton eher bis zum Schluss anschauen als umgekehrt. Du kannst also das beste 4K-Video produzieren, wenn man aber nichts versteht, werden die Zuschauer eher abschalten. Und wenn du dein Video mit dem Smartphone aufnimmst, dann wird die Tonqualität schlecht sein. Weil das Mikro in deinem Handy alles aufnimmt, was rundherum passiert. Inklusive Umgebungsgeräusche und Nachhall. Das reicht zwar fürs Video-telefonieren, aber nicht fürs Aufnehmen.
Ansteck-Mikrofone helfen da. Die gibt’s als kabelgebundene Geräte, die du an deinem Smartphone ansteckst oder auch als kabellos. Und weil die meisten Smartphones nichts mehr zum Anstecken haben, solltest du hier eher zu den kabellosen greifen.
Dabei solltest du nicht unbedingt die billigsten nehmen. Da reden wir von einer Preisklasse um die zehn Euro. Weil hier die Qualität doch eher bescheiden ist. Ich selbst habe mit diesem Mikrofon (Partnerlink) um zwanzig Euro sehr gute Erfahrungen gemacht. Wer es etwas professioneller möchte, kann auch das BOYA Mini 2 (Partnerlink), das DJI Mic Mini (Partnerlink) oder das RØDE Wireless Micro (Partnerlink) nehmen. Die sind allesamt noch immer unter hundert Euro zu haben, bieten aber auch eine bessere Aufnahmequalität.
Wie weiter oben beim Raum schon geschrieben, solltest du beim Aufnehmen auf den Nachhall achten. Der nervt. Wenn du trotz Ansteckmikro und Vorhängen noch einen Nachhall drinnen hast, dann brauchst du mehr Möbel, einen Vorhang oder einen Teppich.

Dieses Mikrofon nutze ich
Fürs Aufnehmen von Videos, auf denen ich als Sprecher zu sehen bin, nutze ich ein einfaches, kabelloses Ansteck-Mikro. Ich habe keine Ahnung, welche Marke das ist, aber es reicht völlig aus. Hat auch nur 25 Euro gekostet.
Checkliste für den Ton:
- Störquellen eliminieren (Fenster zu, PC-Lüfter und Klimaanlage aus)
- Verwende ein Ansteckmikrofon
- Reduziere den Nachhall mit Teppichen, Vorhängen oder Möbel
Die Beleuchtung

Die Beleuchtung ist das Make-Up für Video-Creator. Denn ohne das passende Licht sieht selbst eine Aufnahme mit der besten Kamera so aus, wie wenn du sie in einer Höhle gemacht hättest.
Das günstigste Licht, das du haben kannst, ist natürliches Sonnenlicht. Es ist aber auch das am wenigsten planbare. Es ist abhängig von der Tageszeit, vom Wetter und von den Wolken, die hier und da mal durchziehen. Und du willst ja nicht nur filmen können, wenns Wetter schön ist, sondern dann, wenn es für dich passt. Deshalb solltest du dir, ein oder zwei Leuchten zulegen.
Mit der normalen Deckenlampe in dem Raum, wo du filmst, hast du zwar schon einmal Licht, der Nachteil dabei ist aber, dass es nur von oben kommt. Fürs Ausleuchten von deinem Sprecher – oder dir selbst, je nachdem, wen du aufnimmst – reicht das in der Regel nicht aus. Deshalb solltest du die Deckenlampe ausschalten und für eine entsprechende Ausleuchtung sorgen. Dafür brauchst du ein Hauptlicht, das den Sprecher beleuchtet und ein etwas schwächeres Füll-Licht von der anderen Seite.
Die beiden Leuchten stellst du links und rechts, ungefähr im 45° Winkel zum Sprecher, auf. Besonders dann, wenn der Sprecher eine Brille aufhat, vermeidest du so Reflexionen in den Brillengläsern.
Die günstigste Variante ist ein einfaches Ringlicht. Das kannst du als Hauptlicht für den Sprecher nehmen. Die gibt’s einzeln, wie zum Beispiel das Neewer Basics 5‘‘ Ringlicht (Partnerlink), als Aufsetz-Ringlicht fürs Smartphone, wie das Selfie-Licht von Amazon (Partnerlink) oder kombiniert mit einer Smartphone-Halterung, so wie das UBeesize Ringlicht mit Stativ (Partnerlink). Ich würde hier eher zum einzelnen Ringlicht greifen, damit du es seitlich vom Sprecher hinstellen kannst. Statt dem Füll-Licht kannst du auch eine weiße Styropor-Platte oder etwas Ähnliches verwenden, dass du gegenüber von deinem Hauptlicht aufstellst. Reicht meistens als Füll-Licht aus.
Wenn du etwas weicheres Licht haben möchtest, dann solltest du so genannte Softboxen verwenden. Die brauchen zwar mehr Platz, machen aber auch ein schöneres Licht und kaschieren vieles. Zum Beispiel Haut-Unebenheiten im Gesicht. Mit zwei Softboxen solltest du auskommen. Dazu gibt es unzählige Sets auf Amazon, wie zum Beispiel das Softbox Fotostudio-Set (Partnerlink) mit zwei Softboxen und den passenden Lampen dazu.

Diese Beleuchtung nutze ich
Ich habe mir vor Jahren, als ich das erste Mal mit meinem Greenscreen herumexperimentiert habe, drei Softboxen inklusive Lampen bestellt. Und die funktionieren noch immer. Weil sie aber sehr viel Platz brauchen, habe ich mir zusätzlich noch zwei LED-Paneele von Neewer (Partnerlink) gekauft. Die verwende ich eigentlich in den meisten Fällen, weil sie einen entscheidenden Vorteil haben. Die kann man dimmen. Bin aber gerade am Überlegen, ob ich mir für die drei Softboxen Smart-LED Lampen kaufe. Dann kann ich sie nämlich auch dimmen.
Checkliste für deine Beleuchtung:
- Deckenlicht ausschalten
- Hauptlicht und Füll-Licht im 45°-Winkel zum Sprecher aufstellen
- Reflexionen beachten (Brillen, aber auch in Möbeln oder im Fenster)
Das kostet dich dein eigenes Video-Studio
Dein eigenes Video-Studio kostet dich in erster Linie einmal Überwindung. Weil das meiste davon hast du ja schon. Nämlich ein Smartphone und eine Ecke, in der du die Aufnahme machen kannst. Du brauchst eigentlich nur etwas für die Beleuchtung und den Ton. Hier ist eine Aufstellung davon, was du brauchst, um auf Prodi-Niveau zu starten:
| Kamera | Dein Smartphone | 0 € |
| Ton | Kabelloses Ansteck-Mikro | 25 € |
| Beleuchtung | 2er Set Softboxen | 60 € |
| Stativ | Smartphone-Stativ inklusive Halterung | 20 € |
| Akustik | Vorhandene Teppiche, Vorhänge, Kissen, Möbel etc | 0 € |
| Gesamt | Ca. 125 € |
Wie du siehst, bleibst du sogar deutlich unter der 150-Euro-Marke. Das ist weniger, als viele für ein einziges Abendessen in einem schicken Restaurant ausgeben – mit dem Unterschied, dass dieses Equipment über Jahre hinweg die Basis für deine Inhalte bilden wird. Weil Aufrüsten kannst du später immer noch.
Fang einfach an
Wenn du die oben beschriebenen Punkte beachtest, hast du mit einem geringen Budget von 100-150 Euro ein Studio gebaut. Mit deinem Smartphone, einem Ansteck-Mikro und zwei einfachen Leuchten bist du wahrscheinlich besser aufgestellt als 90% der Leute, die jemals ein Video hochgeladen haben. Jetzt musst du nur mehr anfangen.
Dabei darfst du aber eines nicht vergessen. Dein erstes Video wird wahrscheinlich auch dein schlechtestes sein. Und das ist völlig in Ordnung. Denn beim nächsten Mal wirst du sicherer im Umgang mit deiner Technik. Also: Bau dein Setup auf, drücke auf Aufnahme und bleib dran. Denn die Beständigkeit wird dich weiter bringen als jedes Technik-Upgrade.
Dich hält noch immer etwas davon ab, dein erstes Video zu drehen? Schreib es mir in die Kommentare – vielleicht finden wir gemeinsam eine Low-Budget-Lösung!

Ich bin Edgar, der Kopf hinter wieselfilm und mache seit mehr als zwanzig Jahren Videos. Meine Erfahrungen teile ich hier – wie du mit einem Low-Budget das Meiste aus deinem Hobby rausholen kannst, welche Tricks es in der Nachbearbeitung gibt und wie Adobe Premiere und After Effects funktionieren.
Du willst mehr erfahren? Dann schau mal hier rein.





