Wie du jedem Video einen roten Faden gibst
Wir haben es alle schon einmal gemacht. Nach spätestens 20 Sekunden haben wir das Tutorial-Video wieder weggeklickt. Weil wir uns gefragt haben „Was mache ich hier eigentlich?“. Oder das Event-Video, das aussieht wie eine endlose Diashow aus den Neunzigern. Aber auf der anderen Seite sind wir bei Videos hängengeblieben, die eine schlechte Bildqualität hatten. Weil die Geschichte gepasst hat. Und genau das ist das Geheimnis: Storytelling.
Um gute Videos zu machen, brauchst du kein Drehbuch-Studium. Weil Storytelling für Content-Creator heißt nicht, dass du Herr Der Ringe nacherzählen musst. Du musst deiner Zielgruppe und deinen Zuschauern einfach nur eine Struktur geben, an der sie sich festhalten können. Dabei ist es egal, ob du ein Tutorial für Excel-Tabellen machst, ein Video vom letzten Firmenevent oder die Highlights vom Roadtrip in Portugal schneidest. Das Prinzip ist immer das Gleiche.
Darum ist Storytelling wichtig
Unser Gehirn neigt dazu, Informationen in Geschichten zu verwandeln. Fakten alleine sind zu trocken. Sobald eine Information in eine Handlung oder in ein Beispiel verpackt wird, dann feuern die Synapsen. Das ist auch der Grund, warum wir bei manchen Videos hängen bleiben und bei anderen nicht. Weil die Informationen anders verpackt sind.
Es macht einen Unterschied, ob ich mein Excel-Tutorial mit „Heute zeige ich euch, wie ein XVERWEIS in Excel funktioniert“ beginne oder am Anfang des Videos zeige, wie das fertige Ergebnis aussieht und sage „Das kannst du mit einem XVERWEIS in Excel machen. Schauen wir uns an, wie das geht.“
Storytelling sorgt also für Relevanz. Es beantwortet die wichtigste Frage des Zuschauers: „Warum ist das wichtig für mich?“. Wenn du das schaffst, erhöhst du die Watchtime und Bindung deiner Zielgruppe.
Die 3-Schritt Methode

Grundsätzlich ist es egal, welche Art von Video du machen möchtest. Das Prinzip ist immer das Gleiche: Du köderst deine Zuschauer mit einem Hook, entwickelst die Geschichte mit dem Body und schließt es ab mit einem Close.
- Der Hook: Du hast etwa drei Sekunden, um die Aufmerksamkeit deiner Zuschauer zu gewinnen. Im Tutorial zeigst du das Endergebnis, im Urlaubsfilm die spektakulärste Drohnen-Aufnahme und beim Event-Video lachende Gesichter und einen vollen Saal. Damit hast du deine Zuschauer am Haken.
- Der Body: Hier lieferst du das, was der Hook versprochen hat. Wobei ein einfaches Aneinanderreihen von Clips kein Storytelling ist. Du brauchst eine Entwicklung. Warum lachen die Gesichter im Event-Video? Wie komme ich zum Ergebnis des Tutorials? Und wo verdammt nochmal ist diese geile Drohnenaufnahme her?
- Der Close: Damit schließt du dein Video ab und machst es rund. Du fasst noch einmal kurz zusammen, was du in deinem Tutorial gezeigt hast. Oder schließt dein Urlaubsvideo mit einem Sonnenuntergang am Strand.
Mit diesen drei Schritten – Hook, Body und Close – hast du eine Grundstruktur für deine Tutorials, Event-Videos oder Urlaubsfilme. Du verpackst das Gezeigte in eine Geschichte und führst deine Zuschauer durch dein Video.
Story-Strukturen für deine Videos
Damit das Ganze etwas konkreter wird, schauen wir uns die 3-Schritt Methode für verschiedene Arten von Videos an: Tutorial, Event-Video und Urlaubsfilm.
Das Tutorial
Bei einem Tutorial hast du zwei verschiedene Möglichkeiten für den Einstieg. Du sprichst entweder ein Problem an oder du zeigst das Ergebnis. Der Rest läuft gleich ab:
- Variante 1: Problem – Lösung – Erfolg
- Variante 2: Ergebnis – Lösung – Erfolg
Welche Variante du nimmst, hängt von deiner Zielgruppe ab. Variante 1 spricht Leute an, die gerade das gleiche Problem haben, Variante 2 spricht die Leute an, die wissen wollen, wie etwas funktioniert. Damit das Ganze etwas greifbarer wird, habe ich hier zwei Beispiele. Stell dir vor, du machst ein Excel-Tutorial zum XVERWEIS:
Variante 1
Problem-Lösung-Erfolg
Zielgruppe
Leute, die gerade aktiv verzweifelt sind oder den SVERWEIS hassen. Diese Struktur baut Empathie auf und holt die Zuschauer bei ihrem „Schmerz“ ab.
Das Problem (Hook)
Szene: Du zeigst eine riesige Tabelle und eine Fehlermeldung wie #NV.
Text: „Kennst du das? Du nutzt den SVERWEIS, aber sobald du eine Spalte einfügst, bricht alles zusammen. Oder noch schlimmer: Du musst nach links suchen, und Excel sagt einfach Nein. Das kostet Zeit und Nerven.“
Der Lösungsweg (Body)
Szene: Bildschirmaufnahme. Du löschst die alte Formel und tippst langsam =XVERWEIS(
Erklärung: Du erklärst die drei wichtigsten Argumente (Suchkriterium, Suchmatrix, Rückgabematrix).
Vergleich: „Der Clou: Wir sagen Excel genau, wo es suchen und was es zurückgeben soll. Keine Spaltenindizes mehr zählen!“
Der Erfolg (Close)
Szene: Die Formel wird runtergezogen, alle Werte erscheinen sofort korrekt. Du fügst spaßeshalber eine Spalte ein – nichts geht kaputt.
Text: „Siehst du? Deine Tabelle überlebt jetzt sogar das Einfügen neuer Spalten.“
Variante 2
Ergebnis-Lösung-Erfolg
Zielgruppe
Profis oder Leute, die etwas wissen wollen und ob das Video die Zeit wert ist. Du zeigst sofort, was möglich ist.
Die Lösung (Hook)
Szene: Man sieht ein perfekt funktionierendes Dashboard. Du tippst einen Namen ein und sofort fliegen alle Daten (links und rechts davon) in die Zellen.
Text: „Vergiss den SVERWEIS. Ich zeige dir heute, wie du mit dem XVERWEIS Abfragen baust, die niemals kaputtgehen – egal in welche Richtung du suchst.“
Der Lösungsweg (Body)
Szene: Schritt-für-Schritt-Aufbau der Formel.
Erklärung: Fokus auf die Flexibilität. „Wir markieren einfach die Spalte mit den Namen und die Spalte mit den Gehältern. Fertig. Keine Sorge mehr wegen der Sortierung.“
Zusatz-Tipp: Kurz erwähnen, dass man mit dem vierten Argument direkt eine Nachricht ausgeben kann, falls nichts gefunden wird (statt #NV).
Der Erfolg (Close)
Szene: Du zeigst nochmal das fertige, dynamische Ergebnis.
Text: „Das ist die moderne Art, mit Daten in Excel zu arbeiten. Speicher dir das Video für dein nächstes Projekt!“
Das Event-Video
Beim Event-Video geht es nicht darum, einzelne Clips chronologisch aufzuzählen. Du willst die Energie des Tages konservieren. Dafür setzt du einen Vibe, zeigst anschließend die Highlights und schließt mit einem Gefühl ab. Also ungefähr so:
Den Vibe setzen (Hook)
Beginne mit schnellen Schnitten. Das Lachen beim Empfang, das Klirren der Gläser, die Erwartung im Saal. Der Zuschauer muss sofort die Atmosphäre spüren.
Die Highlights (Body)
Zeig die Kernmomente. Die Keynote, die Interaktion der Gäste, das Buffet, die Emotionen auf der Bühne. Nutze die Musik, um das Tempo zu steuern.
Das Gefühl (Close)
Schließe mit dem „Afterglow“. Ein paar müde, aber glückliche Gesichter, ein Gruppenfoto oder der Sonnenuntergang über der Eventlocation. Es bleibt das Gefühl: „Da wäre ich gern dabei gewesen.“
Dein Urlaubsfilm
Wenn du so alt bist wie ich, kannst du dich wahrscheinlich noch an die langweiligen Dia-Abende erinnern. Stundenlanges durchklicken durch einzelne Bilder. Genau das darfst du bei deinem Urlaubsfilm nicht machen.
Ein Urlaubsfilm läuft immer im gleichen Schema ab: Highlight – Kontraste – Abschied:
Das Highlight (Hook)
Starte mit deinem absolut besten Shot. Die spektakulärste Aussicht oder der lustigste Moment der Reise. Blende einen großen Titel ein: „10 Tage Island“ und darunter „und es war anders, als wir dachten.“
Die Kontraste (Body)
Hier wird es interessant. Zeig nicht nur Postkarten-Wetter. Zeig den Regen, das verpennte Frühstück, den harten Aufstieg zum Gipfel. Erst durch die Anstrengung (Kontrast) wirkt die Belohnung am Ende wertvoll.
Der Abschied (Close)
Der Moment der Reflexion. Ein ruhiger Clip aus dem Flugzeug oder ein malerischer Sonnenuntergang. Ein letzter Satz, was diese Reise mit dir gemacht hat. „Schön war’s – bis zum nächsten Mal.“
Die Geheimzutaten für Storytelling
Wie jedes gute Rezept hat auch die 3-Schritt Methode geheime Zutaten. Dafür musst du jetzt kein Profi-Cutter sein, um die Qualität deiner Geschichten zu heben. Du musst nur die drei folgenden Dinge beachten:
Show, don’t tell
Wenn du im Event-Video sagst: „Die Stimmung war super“, aber man sieht nur leere Stühle, glaubt dir das wahrscheinlich niemand. Wenn du aber zeigst, wie zwei Leute Tränen lachen, musst du gar nichts mehr sagen. Nutze B-Rolls, um das Gesagte visuell zu beweisen oder lass deine Bilder sprechen.
Sound ist die halbe Miete
Sound macht die Hälfte deines Videos aus. Musik gibt zwar das Tempo vor, aber vergiss nicht die Originaltöne. Das Rauschen der Wellen, das Klicken der Tastatur oder das Gemurmel der Menge. Diese Geräusche ziehen den Zuschauer viel tiefer in die Welt deines Videos hinein als ein reiner Musik-Teppich.
Mut zur Lücke
Niemand ist perfekt. Wenn du dich im Tutorial versprichst oder im Urlaubsvideo über deine eigenen Füße stolperst, dann lass es drin. Wenn es charmant ist und dazu passt. Es baut eine Brücke zum Zuschauer. Storytelling bedeutet auch, menschlich zu sein.
Zusammengefasst
Gutes Storytelling muss nicht aufwändig sein. Mit der 3-Schritt Methode geht’s einfach. Mit jedem Video, das du machst, wirst du besser werden. Dann wirst du schon beim Filmen deiner Clips darauf achten, dass du die richtigen Aufnahmen mitnimmst.
Wenn du mit deinem Projekt fertig bist, dann schau dir dein Video an und stell dir dabei drei Fragen:
- Habe ich einen Hook, der in den ersten drei Sekunden knallt?
- Folge ich einer klaren Struktur?
- Ist das Video am Ende rund?
Wenn du alle drei mit „Ja“ beantworten kannst, dann wirst du auch eine Verbindung zu deinem Publikum aufbauen. Du nimmst sie an der Hand und führst sie durch deine Welt.
Hast du eine andere Methode, deine Videos aufzubauen? Oder ist das endlich mal ein Weg, mit dem deine Videos besser geworden sind? Schreibs doch einfach in die Kommentare.

Ich bin Edgar, der Kopf hinter Wieselfilm. Ich mache seit mehr als zwanzig Jahren Videos und teile gerne. Zum Beispiel, wie du mit Low-Budget das Meiste rausholen kannst, welche Tricks es in der Nachbearbeitung gibt, wie deine Videos besser werden und noch viel mehr. Mehr über mich gibts hier.






