Es gibt geschätzt über zwei Millionen Katzenvideos auf YouTube. Und wahrscheinlich ist es dir auch schon mal passiert, dass du nach Stunden auf Instagram, TikTok und Co beim so genannten Cat Content endest. Legenden besagen sogar, dass Katzenvideos für 1% des gesamten Datenverkehrs im Internet verantwortlich sein sollen. Ob das stimmt, sei mal dahingestellt.
Sicher ist, dass die meisten dieser Videos mit dem Smartphone aufgenommen wurden. Und jetzt überlege mal. Wenn ein verwackeltes Handy-Video von Katzen in Kartons schon Millionen von Klicks generiert, was kannst du dann erreichen, wenn du dein Smartphone wirklich professionell einsetzt? Damit deine nächsten Aufnahmen, auch ohne Katze, nicht wie ein Unfall aussehen, habe ich hier ein paar einfache Dinge zusammengefasst, die deine Smartphone-Filmchen wie Profi-Videos aussehen lassen.
Das mobile Filmstudio in deiner Tasche
Du musst jetzt nicht gleich losrennen und das neueste iPhone kaufen. Für Profi-Videos mit deinem Smartphone brauchst du kein High-End Gerät, da reicht schon solide Mittelklasse. Solange du kein Nokia 3310 hast. Da hält zwar der Akku ewig, aber es hat keine Kamera.
Ein halbwegs aktuelles Smartphone reicht also fürs Aufnehmen aus. Zusätzlich brauchst du noch eine App zum Schneiden. Auch die sind meistens kostenlos, wie zum Beispiel CapCut, Glimpse oder GoPro Quik. Damit ist dein mobiles Filmstudio eigentlich schon fertig. Jetzt kannst du nicht nur Videos aufnehmen, du kannst sie auch gleich am Handy Schneiden und Hochladen. Das schaffst du mit deiner Systemkamera nicht.
Die richtigen Einstellungen

Bevor du jetzt losstürmst und den nächsten Superhelden-Film mit deinem Smartphone drehst, solltest du dich einmal mit deiner Kamera-App beschäftigen. Die Standard-App reicht natürlich für normale Videos aus, du kannst aber verschiedene Einstellungen verändern. Zum Beispiel das Aufnahmeformat, Bilder pro Sekunde und Ausrichtung.
Das Aufnahmeformat ist bei den meisten Apps im Standard FullHD (1.920 x 1.080) mit 25 oder 30 Bildern pro Sekunde voreingestellt. Das ist auch das Standard-Videoformat für Insta Reels oder TikTok. Also auch das Format deines fertigen Videos. Beim Aufnehmen deines Videos kannst du aber auch eine höhere Auflösung einstellen und mehr Bilder pro Sekunde aufnehmen.
Eine höhere Auflösung, zum Beispiel UHD oder 4K mit 3.840 x 2.160, hat vier Mal mehr Bildinformationen wie FullHD. Das heißt zwar, dass sie mehr Speicherplatz brauchen, beim Schneiden deines Videos kannst du aber ins Bild hineinzoomen, ohne dass es pixelig wird. Das ist also deine Lebensversicherung beim Schneiden.
Die Bilder pro Sekunde haben einen Einfluss auf den Look deines Videos. Wenn du statt 30 Bilder pro Sekunde oder fps (Frames per Second) auf 50 oder 60 fps umstellst, kannst du später eine einfache Zeitlupe machen.
Zusätzliches Equipment

Das wichtigste Equipment beim Handy-Video ist natürlich dein Smartphone. Das hast du immer dabei. Du kannst auch darüber nachdenken, ein bisschen Zubehör zu kaufen. Zum Beispiel einen Gimbal, damit deine Aufnahmen nicht so verwackelt sind oder ein externes Mikro, damit auch der Ton passt.
Es gibt aber auch einfache Dinge, an die du denken solltest. Zum Beispiel an eine Powerbank, damit du immer genügend Strom hast. Oder ein Mikrofasertuch zum Putzen deiner Linse vor der Aufnahme.
Deine Videos mit dem Smartphone aufnehmen
Grundsätzlich hast du alles, was du brauchst. Ein Smartphone, eine App und vielleicht noch das eine oder andere Zubehör. Jetzt steht dir für deine Aufnahmen eigentlich nichts mehr im Weg. Aber was macht den Unterschied zwischen einem Hobby-Clip und dem Profi-Look? Nur ein paar Kleinigkeiten. Wenn du die beachtest, änderst du den Look deines Videos.
Flugmodus einschalten
Stell dir vor, du nimmst gerade auf und plötzlich ruft deine Mutter an, weil sie das Internet gelöscht hat. Oder in der Freunde-WhatsApp-Gruppe geht’s voll ab, weil jemand ein cooles Katzenvideo gefunden hat. Das stört. Aktiviere deshalb vor der Aufnahme den Flugmodus oder „Nicht stören“. Damit du solche Unterbrechungen verhindern kannst.
Im Querformat filmen
Dein Handy solltest du quer halten, also dein Video im Querformat aufnehmen. Und die Auflösung stellst du auf 4K. Nicht, weil ich etwas Old-School bin und noch Knight Rider am Fernseher gesehen habe, sondern weil du später mehr daraus machen kannst. Denn aus einer 4K-Querformat-Aufnahme kannst du später problemlos ein FullHD-Hochformat Video für TikTok oder Insta- und YouTube-Shorts machen.
Auf das Licht achten
Licht ist dein bester Freund. Dein Smartphone hat einen kleinen Sensor. Der braucht Licht. Nutze daher natürliches Tageslicht. Wenn du draußen filmst, achte darauf, dass die Sonne hinter dir steht. Gegenlicht mögen die Sensoren nämlich auch nicht. Und wenn du drinnen filmst, dann wirkt ein Fenster oft Wunder.
Autofokus sperren
Tippe auf dein Display und halte den Finger gedrückt, bis „AE/AF-Sperre“ erscheint. So verhinderst du, dass das Handy während der Aufnahme ständig die Helligkeit oder den Fokus ändert und zu Pumpen beginnt. Das Bild bleibt ruhig und konstant.
Spiele mit der Perspektive
Wenn du alles auf Augenhöhe filmst, wird es schnell langweilig. Ändere deshalb einmal die Perspektive. Gehe in die Knie und nimm etwas aus der Froschperspektive auf oder filme von oben herab. Das bringt Dynamik in deine Story. Viele Kamer-Apps haben auch die Möglichkeit, Hilfslinien und einen künstlichen Horizont anzuzeigen. Das hilft dir beim Finden des richtigen Bildausschnittes.
Die zwei-Sekunden Regel beim Aufnehmen
Drück auf Aufnahme, zähle im Kopf bis zwei, und fang dann erst an zu sprechen oder dich zu bewegen. Am Ende das Gleiche: Aktion beenden, zwei Sekunden stillhalten, dann erst Stopp drücken. Das gibt dir die notwendigen Reserven für saubere Übergänge und Einblendungen in der Nachbearbeitung.
Auf in die Nachbearbeitung

Jetzt kommt der Teil, in dem aus deinen einzelnen Schnipseln ein „richtiges“ Video wird. Und das geht heute viel einfacher als noch vor ein paar Jahren. Da hast du eine Riesenauswahl passender Musik, die noch dazu lizenzfrei ist. KI unterstützt dich beim Schnitt, vorbereitete Filter und Vorlagen helfen dir beim richtigen Look für dein fertiges Video.
Nutze KI-Features
Apps wie CapCut oder GoPro Quik nehmen dir heute viel Arbeit ab. Beide haben KI-Features wie Auto-Cut und Beat Sync. Die KI analysiert deine Clips und schneidet sie passend zum Rhythmus der Musik. Das spart dir Stunden an Arbeit.
Und weil viele Menschen Videos ohne Ton schauen, zum Beispiel im Bus oder im Zug, sind Untertitel Pflicht. Dabei hilft dir ebenfalls KI. Die erkennt, ob auf dem Video jemand gesprochen hat und generiert automatisch Untertitel. Du musst nur noch kurz Korrektur lesen, schon sind deine Untertitel fertig.
Hintergrundmusik
Wenn du in deinem Video Hintergrundmusik verwenden möchtest, dann achte darauf, dass der Musikstil zu deinem Video passt. Für eine entspannte Szene am Strand passt ein rockiges Musikstück eher weniger. Da brauchst du etwas Ruhigeres. Plattformen wie Pixabay Music haben eine Riesenauswahl an Musikstücken. Die kannst du nach verschiedenen Kriterien filtern und sortieren und Stunden damit verbringen, deine passende Hintergrundmusik zu finden.
Beim Einsatz der Musik im fertigen Video achte darauf, dass die Lautstärke passt. Besonders wenn in der Szene gesprochen wird oder du die Hintergrundgeräusche drinnen lassen möchtest, achte darauf, dass die Musik nicht lauter ist als die Stimme oder Geräusche im Video.
Filter und Farben für den perfekten Look

Am Schluss solltest du dich noch um die Farben in deinem Video kümmern. Videos, die du mit deinem Smartphone aufnimmst, haben in der Regel sehr intensive Farben und eine hohe Sättigung. Und das macht genau den Unterschied vom Hobby-Video zum Profi-Look. Hier gibt es drei Schräubchen, an denen du drehen kannst:
- Sättigung rausnehmen: Wenn dein Video zu sehr nach „Bonbon-Farben“ aussieht, nimm die Sättigung deines Videos um 5 bis 10% zurück. Das lässt das Bild sofort hochwertiger und filmischer wirken.
- Der passende Filter zur Szene: Ein sonniger Urlaubstag verträgt warme, goldene Töne, ein technisches Erklärvideo wirkt dagegen in kühleren, klaren Farben seriöser. Der richtige Filter lässt dein Video professioneller aussehen.
- Intensität des Filters anpassen: Auch beim Filter solltest du die Deckkraft etwas zurücknehmen. Ein guter Look entsteht oft erst, wenn du die Intensität des Filters auf 30 bis 50 % reduzierst. So bleibt der natürliche Look erhalten, bekommt aber einen professionellen Farbstich.
Dein Filmstudio in der Hosentasche
Für ein beeindruckendes Video brauchst du kein Profi-Equipment. Die Technik hast du ja bereits. Und wenn du die richtig einsetzt und ein paar Kleinigkeiten beachtest, dann wird aus dem Hobby-Clip ein Profi-Look.
Dabei ist es egal, ob du deinen letzten Urlaub festhalten möchtest, dein Business präsentieren willst oder das nächste legendäre Katzenvideo drehst. Hauptsache, du fängst damit an. Und das kannst du. Überall und jederzeit. Mit dem Smartphone in der Tasche.
Kurz & knapp
Hast du noch Fragen oder einen speziellen Trick, den du beim Filmen mit dem Smartphone nutzt? Schreib es mir in die Kommentare!

Ich bin Edgar, der Kopf hinter Wieselfilm. Ich mache seit mehr als zwanzig Jahren Videos und teile gerne. Zum Beispiel, wie du mit Low-Budget das Meiste rausholen kannst, welche Tricks es in der Nachbearbeitung gibt, wie deine Videos besser werden und noch viel mehr. Mehr über mich gibts hier.






