Die gefilterte Wahrheit – dazu brauchst du Filter

ND, PL und UV. Wenn du jetzt denkst, dass ich hier über Länderkennzeichenn in Osteuropa schreibe, dann muss ich dich leider enttäuschen. Damit sind nämlich Filter gemeint, die du auf deine Drohne, Gimbal oder Kamera schrauben oder stecken kannst. Die machen dein Bild und deine Videos besser. Warum? Das erkläre ich hier.

Ich brauch Filter nur für den Kaffee

Kaffeetasse
Das nenne ich einen starken Kaffee

Genauso wie beim Kaffeefilter ist es auch bei den Kamera-Filtern. Wenn der Filter fehlt, ist das Ergebnis Scheiße.  Beim Kaffee hast du das Pulver in der Tasse, bei der Kamera die Krümel im Bild. Damit das nicht passiert, habe ich immer für die jeweilige Situation den passenden Filter dabei.

Grundsätzlich unterscheidet man bei Kamera-Filtern zwischen ND für Neutraldichte, PL für Polarisation und UV für Ultraviolett. Ich habe für die Mavic Pro und für den Osmo jeweils ein Set aus verschiedenen ND-Filtern, einem PL und einem UV-Filter mit dabei.  Für die ist das nämlich unerlässlich, weil bei den verbauten Kameras die Blende fix ist. Die was? Tja, jetzt wirds theoretisch.

Ein bisschen Theorie

E=mc2
Graffiti in den 1920ern

Die Qualität einer Aufnahme mit einer Kamera wird durch drei Faktoren bestimmt: Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert.

Blende – die Pupille deiner Kamera

Blendenzahl

Die Blende ist die Pupille der Kamera. Schau dir mal deine eigene Pupille an. Geht nicht? Dann schau bei einem Freund. Niemals bei einem fremden Menschen probieren, das könnte unangenehm für euch beide werden. Halte ein paar Sekunden die Hand vor die Augen. Dann gib sie weg und schau, wie sich der schwarze Punkt in der Augenmitte verändert. Zuerst ist er groß, weil es ja dunkel war, wird dann aber kleiner, weil es jetzt hell ist. Die Pupille regelt also selbstständig, wie viel Licht sie durchlassen soll.

Genauso ist es bei der Kamera. Die Blende regelt, wie viel Licht auf den Sensor durchgelassen wird. Je heller es ist, desto kleiner sollte die Blende geöffnet sein und umgekehrt. Der Wert wird als Blendenzahl bezeichnet und mit f durch irgendwas angegeben, zum Beispiel f/2.8. Verwirrend dabei: Je höher der Wert nach dem Schrägstrich, desto kleiner ist die Blendenöffnung. Bei der DJI Mavic Pro und beim DJI Osmo ist die Blendenzahl übrigens fix auf f/2.8 eingestellt und kann nicht verändert werden.

Verschlusszeit

Uhr
Wer hat an der Uhr gedreht?

Die Verschlusszeit gibt an, wie lange die Blende geöffnet bleibt und wird in Bruchteilen von Sekunden angegeben. Dabei gilt auch wieder: Je länger der Verschluss geöffnet bleibt, desto mehr Licht kommt auf den Sensor. Der Wert wird mit eins durch irgendwas angegeben, zum Beispiel 1/200, oder einfach mit einer Zahl, die hinter dem Schrägstrich steht.

Je heller es ist, desto höher sollte der Wert hinter dem Schrägstrich sein. Bei 1/200 bleibt die Blende 0,005 Sekunden geöffnet. Glaubst du nicht? Dann kannst du ja versuchen, mit einer Stoppuhr nachzumessen.

ISO-Wert

Kassette

Für alle, die vor 1990 geboren wurden, wird der ISO-Wert kein Unbekannter sein. Damals, als man noch Briefe mit der Schreibmaschine geschrieben und Kassetten mit dem Bleistift aufgewickelt hat, wurden nämlich die Filme für den Fotoapparat mit einem vorgegebenen ISO-Wert gekauft. Die meisten haben einfach nur den 200er genommen, weil sowieso niemand gewusst hat, was das ist. Heutige Digitalkameras sind da flexibler. Die können den ISO-Wert nämlich verändern.

Der Wert gibt die Lichtempfindlichkeit an. Je höher der Wert, desto mehr Licht wird vom Sensor aufgenommen. Wird der Wert zu hoch, kann aber auch mehr Bildrauschen auftreten. Will man bei gleichem ISO-Wert mehr Helligkeit, kann man auch eine kleinere Verschlusszeit nehmen oder die Blendenzahl verkleinern. Dann dringt mehr Licht auf den Sensor. Und so hängt das Ganze zusammen.

Und jetzt zurück ins Studio

Soviel zur Theorie. Muss ja auch mal erklärt werden. Jetzt zum eigentlichen Thema – den Filtern.

ND-Filter – die Sonnenbrille

Wasserfall

Die ND-Filter sind die Sonnenbrillen für deine Kamera, die es in verschiedenen Abstufungen gibt. Da steht immer eine Zahl dahinter, zum Beispiel ND8, ND16, ND32 und so weiter. Je höher der Wert, desto weniger Licht lassen sie durch. Genau deshalb sind die Filter für meine Drohne und den Gimbal unverzichtbar. Bei Tageslicht ist das Bild nämlich immer überbelichtet. Weil ich die Blende nicht ändern kann, brauche die Kamera eben eine Sonnenbrille.

Ich verschone dich hier jetzt mit dem „Die Zahl halbiert das blablabla“. Ist es hell draußen, nimm die hohen Zahlen, zum Beispiel ND32 oder ND64. Wirds dunkler, nimm die kleineren. Willst du ein Bild mit langer Belichtungszeit so wie der Wasserfall oben, nimm ebenfalls einen höheren Filter.

PL-Filter – der Reflektierte

Schwein im Wasser
Mit PL-Filter sehen die Fische irgendwie anders aus

Das ganze Theorie-blabla oben war eigentlich nur dazu da, die ND-Filter zu erklären. Der PL- oder Polarisationsfilter hat mit dem ganzen nämlich nix zu tun. Mit einer Sonnenbrille aber schon. Denn bei denen gibt es auch welche mit Polarisationsfiltern. Diese Filter nehmen die Reflexionen aus dem Bild. Das sieht man am besten, wenn man die Kamera auf eine Wasseroberfläche, zum Beispiel einen See oder Fluss, richtet. Ohne PL-Filter sieht man nur die Spiegelungen auf der Oberfläche, mit PL-Filter sind die Spiegelungen weg und man sieht „ins Wasser“ rein.

Den PL-Filter kannst du nehmen, wenn du zum Beispiel in einem Aquarium bist und durch eine Glasschreibe eine Aufnahme machen möchtest. Da spiegelt nichts. Oder du gehst angeln und möchtest mit der Drohne die Fische suchen (ich hab gerade eine neue Sportart entdeckt – Drohnenfischen). Einen Regenbogen kannst du mit dem PL-Filter nicht fotografieren. Das ist nämlich nur reflektiertes Licht.

UV-Filter – der Sinnlose

Qualle

Der UV-Filter filtert, wie der Name schon sagt, das UV- oder Ultraviolette Licht aus der Aufnahme. Bei einer Kamera mit einem größeren Objektiv, zum Beispiel deine Spiegelreflex- oder Systemkamera, brauchst du den UV-Filter nicht. Die Linsen im Objektiv filtern nämlich das UV-Licht schon raus.

Bei der Drohne, die ja eine kleinere Kamera hat, könnte er schon Sinn machen. Der Effekt, den du mit dem UV-Filter erzielst, ist kaum merkbar. Deshalb wird der UV-Filter in den meisten Fällen nur dazu benutzt, dass die Linse vom Objektiv vor Kratzern geschützt wird.

Gehts auch kürzer?

Wenn du bis hierher gelesen hast, dann bist du brav. Wenn du nur hier runter gescrollt hast, weil dir das ganze Blabla zu langweilig war, ist es auch OK. Hier fasse ich das nämlich noch einmal kurz zusammen:

Kauf dir Filter für deine Kamera oder deine Drohne. Am besten gleich ein ganzes Set.

  • ND-Filter nimmst du, wenn es draußen hell ist oder du die Belichtungszeit verändern möchtest
  • PL-Filter nimmst du, wenn du die Spiegelungen aus dem Bild raushaben möchtest und
  • UV-Filter nimmst du, damit die Linse nicht zerkratzt

Geht ja auch in Kurzform.

Edgar Grasl

Edgar ist der kreative Kopf hinter Wieselfilm. Als bekennender Equipment-Junkie muss er immer das Neueste kaufen und testet die Dinger dann ausgiebig. Die ganzen Pferdefilme auf wieselfilm sind seinem Hobby geschuldet, dem Reiten.

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