Das Blendenzahl Paradoxon

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Jedes Mal, wenn es um Belichtung, Schärfe oder Objektive geht, kommen wir unweigerlich zu einem Thema: Die Blendenzahl. Jedes Mal wieder versuchen wir zu erklären, was das eigentlich ist und warum die Blendenzahl paradox ist. Denn je kleiner der Wert, desto weiter offen ist deine Blende.

Alle anderen Werte beim Filmen und Fotografieren wie Brennweite, ISO-Wert oder Bilder pro Sekunde sind aufsteigend. Je höher der ISO-Wert, desto heller wird dein Bild. Mehr Bilder pro Sekunde heißt, das eben mehr Bilder pro Sekunde aufgenommen werden. Nur eben nicht die Blendenzahl. Das ist verwirrend.

Ein Bruch

Wenn du aber einmal genauer darüber nachdenkst, wirst du darauf kommen, dass es gar nicht so falsch ist. Denn die Blendenzahl ist ein Bruch und wird zum Beispiel als f/2,0 angegeben. Wie das halt bei Brüchen so ist, gehen die irgendwie rückwärts. Denn ein halber Liter wird auch als Bruch angegeben. Eins durch zwei oder 0,5 Liter.

Veränderst du jetzt den zweiten Wert – die heißt übrigens Nenner (für alle, die schon lange aus der Schule raus sind) – und schreibst statt einer zwei eine Vier hin, dann haben wir ein Viertel. Eins durch Vier. Die Zahl wird höher, das Ergebnis ist aber kleiner. Denn dann haben wir nur mehr 0,25 Liter. Also die Hälfte vom halben Liter. Obwohl die zweite Zahl größer ist. Genau das ist ja Paradox und hat uns schon in der Schule zu schaffen gemacht.

Wieso ist die Blendenzahl ein Bruch?

Blendenzahl Beispiele

Wenn die Blendenzahl als Bruch angegeben wird, was wird dann gebrochen? Wofür steht dann eigentlich das f vor dem Schrägstrich? Ganz einfach: Das ist die Brennweite deines Objektivs. Die beiden stehen nämlich in einem direkten Verhältnis. Daraus kannst du dann berechnen, wie weit deine Blende geöffnet ist. Bringt dir zwar nichts, ist aber interessant zu wissen.

Nehmen wir mal als Beispiel ein Objektiv mit einer Festbrennweite von 24mm. Das ist der Abstand deiner Linse zum Sensor. Aus einem guten Grund. Denn genau dort sammelt sich das einfallende Licht. Wenn du bei deiner Festbrennweite mit einer Blendenzahl von f/2,0 aufnimmst, ist deine Blende 12mm geöffnet. Denn 24 durch 2 ergibt eben mal 12.

Änderst du die Blendenzahl auf f/4,0, dann ist deine Blende plötzlich nur mehr sechs Millimeter geöffnet. Denn 24 durch 4 ergibt sechs. Die Öffnung deiner Blende ist also kleiner geworden, es wird weniger Licht durch gelassen und das Bild wird dunkler.

Theorie vs Praxis

Rechnen wir mal weiter. Statt einer Festbrennweite nehmen wir ein normales Zoom-Objektiv mit einer Brennweite von 24 bis 135mm. Theoretisch müssten wir jetzt bei einer Blendenzahl von f/2,0 bei einer Brennweite von 135mm eine Öffnung von 67,5mm haben. Praktisch schauts da aber anders aus.

Besonders bei den günstigen Objektiven gibt die Blendenzahl den maximal erreichbaren Wert bei der geringsten Brennweite an. Das heißt also, wenn das 24-135mm Objektiv eine Blendenzahl von f/2,0 hat, dann kann es die Blende maximal 12mm öffnen – auch bei den größeren Brennweiten. Deshalb hast du bei einer größeren Brennweite eine andere Blendenzahl In diesem Fall bei 135mm Brennweite eine Blendenzahl von f/8,8. Das ist nämlich Blendenöffnung durch Brennweite. Also 12/135. Da wird’s schon finster am Display.

In der Praxis hast du bei einem Objektiv mit variabler Brennweite unterschiedliche Blendenzahlen. Weil das doch etwas komplizierter ist. Da spielen nämlich zwei Linsen mit. Zum Beispiel beim relativ günstigen Sigma 18-300mm F3,5-6,3 eine Blendenzahl von f/3,5 für die kleine Brennweite und f/6,3 für die große Brennweite.

Kurz und knapp

Also warum ist die Blendenzahl ein Bruch? Weil sie von der Brennweite abhängt. Daraus kannst du dann berechnen, wie weit deine Blende geöffnet ist. Wirst du in der Praxis niemals brauchen, ist aber gut zu wissen.

Je höher der zweite Wert, desto kleiner ist die Öffnung der Blende. Wie beim Bier. ½ Liter ist auch mehr wie ¼ Liter. Auch wenn der Nenner etwas anderes suggeriert.

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